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»Making of« – wie eine Tür entsteht.

Wie entsteht eigentlich eine Tür? Die Auswahl an Wohnungs- und Zimmertüren ist groß. Doch wie sieht der Weg von der Idee und der Produktentwicklung über die Produktion im Werk bis zur lieferbaren Innentür aus? Unsere „Tür im Dialog“ erzählt die Entstehungsgeschichte. Hilfe bekamen wir dabei von Marbod Gerstenhauer, Bereichsleiter Türenfertigung bei GARANT.

Herr Gerstenhauer, wir starten mit einer fast schon philosophischen Frage: Was ist eine Tür?

Marbod Gerstenhauer (MG): Eine Tür ist ein verschließbarer Durchgang zu einem Gebäude oder durch eine Bauöffnung. Ihr Grundaufbau ist einfach: Rahmen und Riegel bilden den Türrahmen. Die Einlage und Füllung der Tür, die sogenannten „Decks“, decken Riegel und Rahmen ab. Soweit der kleinste gemeinsame Nenner.

Doch eine Tür besteht aus bis zu 40 Einzelteilen, die hunderte Kombinationsmöglichkeiten eröffnen. Dazu gehören ja auch Lacke, Klammern und Klebstoff, Beschläge, eine Vielzahl von Schlössern, sowie Spione, Lüftungsgitter für Nasszellen und Bäder und einiges mehr.

 

Welche Maschinen setzen Sie in der Türenfertigung ein?

MG: Es gibt Pressen, Formatierungsanlagen, Oberflächenmaschinen, Lack-, Bohr- und Frässtraßen und – auch wichtig – sogenannte „Easypicker“. Diese Montagehelfer entlasten die Mitarbeiter. Durch den „Easypicker“ schwebt die Tür frei und sicher vor ihm. So muss niemand etwas Schweres stützen oder sich körperlich einseitig belasten.

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Hohe Türenqualität:
Ohne qualifizierte Mitarbeiter geht’s nicht!

Und welche Rolle spielen die Menschen in der Produktion?

MG: Ohne unsere qualifizierten Mitarbeiter geht’s nicht!
Einerseits ist die Türenproduktion ein stark automatisierter Prozess. Andererseits überwachen unsere Mitarbeiter, ob die verketteten Arbeitsgänge reibungslos laufen. Außerdem befüllen sie die Magazine mit den richtigen Rohstoffen. Deshalb haben wir pro Maschine drei Mitarbeiter im Einsatz: Einer füllt ein, ein Zweiter überwacht. Schließlich nimmt ein Dritter die Tür aus der Fertigung heraus und prüft die Qualitätskriterien. Nun leitet er sie über Rollenbahngänge zum nächsten Produktionsschritt weiter.

Dann sind da noch unsere Maschinen- oder CNC-Anlagenführer: Sie stehen an komplexen, CNC-gesteuerten Maschinen. Deshalb müssen diese Mitarbeiter alle gleichwertig hoch qualifiziert sein. Da muss immer sichergestellt sein, dass die Maschinen reibungslos laufen. Eine Anlage, die steht, kostet uns viel Geld.

„Fotostory“: vom Brett zur Tür.

Wie viele Fertigungsschritte gibt es?

MG: Es gibt bei uns grundsätzlich zwei Fertigungsergebnisse mit bis zu zwölf Schritten. Da ist zum einen die Standardtür. Sie entsteht in hoher Stückzahl nach stark standardisierten Verfahren. Vieles läuft dabei automatisch.

Zum anderen gibt es bei uns die Bau- oder Sondertür: Das sind Türen, die nach persönlichen Wünschen einzeln gefertigt werden, in kleiner Stückzahl. Oft haben sie auch besondere Funktionen wie Schall- oder Brandschutz. Bei diesen Türen spielt Handarbeit eine sehr große Rolle. Das heißt, die Produktion ist hier aufwändiger als bei der Standardtür.

Der Trend geht übrigens zur Bautür: Von den rund 3.000 Türen, die wir im Werk täglich pressen, werden 450 zu Sondertüren.

Und so entsteht eine Tür:

1. Schritt: Als erstes geht das Material durch die Pressen. Erst nachdem die Rohstoffe gepresst sind, sprechen wir von der Tür oder vom Tür-Rohling („ab der Presse“).

2. Schritt: Jetzt geht der Tür-Rohling in die sogenannte „Formatierung“. Bis hierher hat er noch kein Format. Riegel und Decks sind noch etwas größer als die Endmaße, damit daran gearbeitet werden kann.

3. Schritt: Nun legen wir die Kantengeometrie fest. Bekommt diese Tür eine eckige oder runde Kante? Je dicker die Tür, desto mehr dämpft sie den Schall. (Allerdings spielen bei guter Schalldämmung mehrere Tür-Elemente zusammen. Dabei ist nicht nur die Dicke entscheidend.)

4. Schritt: Das „Postforming“ durchlaufen Türen mit CPL (eine Art Melamin). Hierbei entsteht eine fugenlose Kantenummantelung. Die ist nicht nur besonders stabil, sondern auch bei den Kunden beliebt für ihre schöne, glatte Optik.

5. Schritt: Lacktüren gehen jetzt ins „Design-Bearbeitungszentrum“. Hier bekommen sie zum Beispiel ihre Schmuckfräsung oder Deko-Fugen.

6. Schritt: Danach wandert die Lacktür in die „Lackstraße“. Sie erhält eine Grundierung auf Wasserbasis, also lösungsmittelfrei. Ist die letzte Schicht aufgebracht, wird diese danach mit UV-Bestrahlung ausgehärtet. Jetzt ist die Tür schon robust genug zum Stapeln und Weiterverarbeiten.

Arbeitsplatz 0082: „in besonderer Türen-Mission“.

7. Schritt: Besonders anspruchsvolle Designs kommen zum „Spezialisten“: Der Spritzroboter endlackiert Türen mit Profilierung, Design-Fugen und besonderen Oberflächen.

8. Schritt: Die Tür geht in die Bohrung.

9. Schritt: für „besondere Türen“, wie Bau- und Funktionstüren: In der Türmontage werden Schlösser, Verglasung, Bänder, Spione, Türschließer oben und innen montiert. Hier unterschreibt ein Mitarbeiter ein Prüfprotokoll zum Beispiel für jede einzelne Brandschutztür. Damit zeichnet er persönlich verantwortlich für die Qualität dieser Tür.

10. Schritt: „Endmontage“:
– Die Normtür geht jetzt in die automatisierte Endmontage. „Kollege Roboter“ bringt hier zum Beispiel Bänder und Schlösser an.
– Die Sondertür hat besondere Funktionen wie Brandschutz oder zum Teil aufwändige Stilelemente.  Deshalb geht sie an die Handarbeitsplätze in der Endmontage. Hier arbeiten pro Schicht fünf Mitarbeiter. Sie setzen besondere Glaselemente ein, applizieren Zierleisten und montieren Spezialbeschläge.

11. Schritt: Für bestimmte Muster- und Testtüren gibt es einen zusätzlichen Kontrollarbeitsplatz. Der Schichtleiter sieht sich jede dieser Türen einzeln und genau an. Dann attestiert und bucht er per Stempel auf der Unterseite der Tür, dass alles geprüft und in Ordnung ist. Das ist unser Arbeitsplatz 0082 – sozusagen „in besonderer Türen-Mission“.

12. Schritt: Final wird alles halbautomatisch verpackt – und ab geht’s ins Lager.

Zeugnis für Qualitätstüren

Wer eine Brandschutztür kauft, bekommt diese mit eigenem Prüfzeugnis und persönlicher Unterschrift. „Da geht es um die Sicherheit, das ist oberstes Gebot“, sagt Marbod Gerstenhauer. ­

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